Unser Ansatz

Woran richtet der Treffpunkt Freiburg seine Arbeit aus?

Seit Anfang der 1990er Jahre wird fachlich und politisch anders über "Ehrenamt" bzw. "Bürgerschaftliches Engagement" diskutiert als zuvor. Warum?

Fachwelt und Politik stehen vor der Herausforderung, daß durch die langfristigen gesellschaftlichen Veränderungen

  •  Bürgerschaftliches Engagement notwendiger als früher ist, um Lösungen für die erheblichen anstehenden gesellschaftlichen Probleme zu finden;
  •  Engagement angesichts der Veränderungen von Lebensstilen und Werten grundsätzlich leichter zu erreichen ist: die Engagementbereitschaft, das sog. "Engagementpotential" ist gestiegen
  •  Bürgerengagement gleichzeitig auch voraussetzungsvoller ist: die (potentiell) Engagierten verbinden mit einem freiwilligen Engagement immer höhere Erwartungen an dessen Wirksamkeit, an Spielräume für Mitgestaltung und Selbstentfaltung.

Kurz: ein gutes Drittel der bundesdeutschen Bevölkerung ab 14 Jahren ist zu einem freiwilligen Engagement bereit, wenn die Bedingungen dafür „stimmen“.

 

Was heißt das für die Förderung bürgerschaftlichen Engagements?

In der Fachdebatte zum Bürgerschaftlichen Engagement ist es eine anerkannte Grundposition, daß Engagementförderung in dem Maße erfolgreich sein kann, wie es ihr gelingt, sich an den Anliegen, den Fähigkeiten und dem Unterstützungsbedarf von (potentiell) Engagierten zu orientieren. Aus dieser Position ergibt sich der offene Ansatz des Treffpunkt Freiburg, der sich trotz begrenzter Ressourcen bereits als recht leistungsfähig erwiesen hat.

1. Zur Haltung der Engagementförderung: In unserer sich schnell wandelnden Welt bedarf eine erfolgreiche Engagementförderung der folgenden zwei Haltungen

a) vom "vorgeben" zum "gleichberechtigt mitgestalten lassen": Selbstbewußte BürgerInnen stellen ihre Bedürfnisse immer weniger zurück.

b) vom "aktivieren" zum "ermöglichen"/ "den Weg frei machen": Millionen Menschen in Deutschland wollen sich engagieren, stoßen aber an Hemmnisse.

Eine erfolgreiche Engagementförderung wird also an den Motiven und den Hemmnissen der (potentiell) Engagierten ansetzen, um mehr Bürgerengagement zu erreichen.

2. Aufgaben der Engagementförderung: Die Aufgaben der Engagementförderung sind konsequent aus dieser Analyse der Motive und der Hemmnisse abzuleiten. Daraus ergeben sich die 10 Aufgaben der Engagementförderung

3. Vielfalt unterstützen: Wer sich vorrangig an den (potentiell) Engagierten orientiert, wird analysieren, wie die Vielfalt an Lebensstilen und sozialen Milieus sich in der Vielfalt von Engagementbereichen, Engagementformen und Engagementpotentialen widerspiegelt. Zum Erfolg von Engagementförderung trägt bei, diese Vielfalt bewußt zu würdigen, zu unterstützen und miteinander zu verbinden – über die Grenzen von Generationen, Milieus und Engagementkulturen hinweg – so daß Neues entstehen kann. Dies knüpft auch an die Fachdebatten über "Diversity" und "Inklusion" an.

Der sog. Freiwilligensurvey, die vom Bundesfamilienministerium finanzierte größte Untersuchung zum Bürgerschaftlichen Engagement, zeigt die verschiedenen Engagementbereiche auf. Die Zahlen beziehen sich auf die deutsche Bevölkerung ab 14 Jahren.

Aktuell mündete diese Fachdebatte in die mit einem umfangreichen Beteiligungsprozeß erarbeitete Engagementstrategie des Landes Baden-Württemberg, deren begleitendes Förderprogramm nicht zufällig den Titel trägt „Gemeinsam sind wir bunt“ – Förderung und Verbindung der Vielfalt sind der Leitgedanke der Engagementstrategie.

Mehr Informationen: www.buergerengagement.de

 

 

Die Umsetzung durch den Treffpunkt Freiburg

Der Treffpunkt Freiburg sah sich von Anfang an verbunden mit dieser Fachposition. Unser offener Ansatz will Engagementpotentiale verwirklichen, indem wir die Engagierten darin unterstützen, den eigenen Weg zu gehen – also ihnen soweit möglich "den Weg freimachen". Unsere Leitfrage ist in jedem Aufgabenbereich:

"Was brauchen die Ehrenamtlichen?"

Wir unterstützen Ehrenamtliche durch Räume für die Arbeit der Engagierten, für Fortbildung, Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzung zwischen Engagierten und mehr – im Sinne von „Werkstatt des Engagements“, „Schaufenster des Engagements“ und "Marktplatz des Engagements". Dabei geben wir der Vielfalt des Engagements bewusst Raum, um die gegenseitige Wahrnehmung und den Austausch zu fördern. Ein lebendiger Ort des Austausches kann Engagierte des gleichen Engagementbereichs, aber auch verschiedener Engagementbereiche und Engagementkulturen miteinander in Verbindung bringen, so dass Neues entsteht: innovative Ideen, neues Engagement, neue Projekte. Dabei haben wir auch die Zielgruppe der potentiell Mehrfachengagierten vor Augen, die durch einen gelungenen Austausch Anregungen für weiteres Engagement erhalten können.

Dieser offene Ansatz hat im Treffpunkt Freiburg trotz knapper Mittel vielversprechende Teilerfolge gezeigt.